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Software-definierte Automatisierung erfordert offene Container-Architekturen

Geschrieben von Lukas Punzenberger | August 2026

Die industrielle Automatisierung durchläuft derzeit eine grundlegende Transformation ihrer technologischen Basis. Über Jahrzehnte hinweg waren Automatisierungs-plattformen eng an proprietäre Betriebssysteme, spezifische Hardware und geschlossene Architekturen gebunden. Dieses Modell funktionierte lange Zeit zuverlässig – doch heute stößt es an seine Grenzen.

Moderne Industrieunternehmen stehen zunehmend unter Druck: Produktions-umgebungen müssen flexibler werden und höhere Cybersicherheitsanforderungen erfüllen. Das bedeutet, dass Software häufiger aktualisiert werden muss. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Skalierbarkeit und Datenverfügbarkeit für KI-Anwendungen. Die Antwort darauf ist Software-definierte Automatisierung.

Containerisierung als Grundlage Software-definierter Automatisierung

In vielen industriellen Umgebungen wurden Automatisierungsanwendungen traditionell mithilfe virtueller Maschinen (VMs) isoliert. Dieses Modell funktioniert zwar, geht jedoch mit einem hohen Ressourcenverbrauch und zusätzlicher Komplexität einher.

Container sind deutlich schlanker, schneller zu starten und einfacher zu skalieren. Vor allem ermöglichen sie einen wesentlich konsistenteren Ansatz für die Bereitstellung von Software. Eine containerisierte Anwendung verhält sich identisch, unabhängig davon, ob sie am Edge oder in einer Cloud-Umgebung betrieben wird. Diese Konsistenz ist für Software-definierte Automatisierung ebenso entscheidend wie die Art und Weise, wie Automatisierungssoftware entwickelt, betrieben und aktualisiert wird. Anstatt Anwendungen eng an bestimmte Hardware oder Betriebssysteme zu koppeln, werden sie durch Containerisierung in standardisierte, portable Laufzeitumgebungen verpackt. Die Software wird dadurch von der zugrunde liegenden Infrastruktur entkoppelt. Das mag sehr technisch klingen, hat jedoch enorme strategische Auswirkungen für industrielle Betreiber.

Traditionelle Automatisierungsumgebungen sind häufig über viele Jahre hinweg gewachsen: unterschiedliche Hardwaregenerationen, proprietäre Systeme und komplexe Abhängigkeiten zwischen Software und Infrastruktur. Dadurch werden Updates aufwändig, Migrationen riskant und Innovationen langsam. Container helfen dabei, genau diese Herausforderungen zu adressieren.

Strategische Relevanz für industrielle Betreiber

Containerisierte Anwendungen laufen unabhängig von der zugrunde liegenden Hardware oder spezifischen Betriebssystemkonfigurationen. Dadurch wird die Bereitstellung deutlich einfacher, standardisierter und portabler. Für Anlagenverantwortliche bedeutet das:

  • Schnellere Software-Updates unabhängig von Hardware-Erneuerungszyklen 
  • Einfachere Skalierbarkeit über verschiedene Standorte hinweg 
  • Höhere Portabilität zwischen Edge-, Rechenzentrums- und Cloud-Umgebungen 
  • Geringere Abhängigkeit von einzelnen Anbietern oder proprietären Plattformen 
  • Eine Grundlage für automatisierte Tests, Bereitstellung und Software-Updates durch DevOps und CI/CD, wodurch manueller Aufwand und Risiken bei der Bereitstellung reduziert werden 

Dies ist insbesondere in Branchen wie Pharma, Life Sciences, Energie und kritischer Infrastruktur relevant. Systeme in diesen Bereichen bleiben häufig viele Jahre oder sogar Jahrzehnte in Betrieb, während die Anforderungen an Flexibilität und Sicherheit kontinuierlich steigen. Containerisierung schafft die Grundlage dafür, Automatisierungssysteme langfristig offener und anpassungsfähiger zu gestalten.

Offene Standards werden zum Wettbewerbsfaktor

Mit der zunehmenden Verbreitung der Containerisierung wächst auch die Bedeutung offener Standards. Technologien und Frameworks, die auf Standards der OCI (Open Container Initiative) basieren, stellen sicher, dass Anwendungen interoperabel und herstellerunabhängig betrieben werden können. Für Standortbetreiber ist dies weit mehr als ein IT-Thema.

Denn Vendor Lock-in entwickelt sich zu einem strategischen Risiko. Unternehmen, die Software ausschließlich innerhalb geschlossener Herstellerökosysteme betreiben können, verlieren mit der Zeit an Flexibilität – sei es bei Innovationsinitiativen, beim Austausch von Komponenten oder bei der Integration neuer Technologien. Offene, containerisierte Architekturen schaffen dagegen eine größere technologische Souveränität. Vor dem Hintergrund geopolitischer Unsicherheiten, steigender Cybersicherheitsanforderungen und sich beschleunigender Innovationszyklen gewinnt diese Offenheit zunehmend an Bedeutung.

Edge, IIoT und Cybersicherheit erfordern eine Software-definierte, containerisierte Architektur

Darüber hinaus entwickelt sich die moderne industrielle Architektur weiter in Richtung Edge Computing und IIoT. Daten entstehen nicht mehr ausschließlich in zentralisierten Umgebungen, sondern verteilt über Maschinen, Produktionsanlagen und Standorte hinweg.

Containerisierte Plattformen eignen sich ideal für diese dezentralen Architekturen. Anwendungen können flexibel verteilt, aktualisiert und orchestriert werden – unabhängig davon, wo sie ausgeführt werden.

Containerisierung kann auch dazu beitragen, die Cybersicherheit zu verbessern: Standardisierte Container-Umgebungen ermöglichen konsistentere Patch-Prozesse, eine klarere Isolation einzelner Anwendungen und besser kontrollierbare Software-Lebenszyklen. Sicherheitsupdates können schneller und standardisierter ausgerollt werden.

Software-definierte Automatisierung und Containerisierung als zentrale Enabler industrieller KI

Die Bedeutung dieser Entwicklung wird im Kontext von KI und Large Language Models (LLMs) noch deutlicher. Der Wert industrieller KI entsteht nicht allein durch das Modell selbst, sondern auch durch die Umgebung, in der das Modell betrieben wird. KI benötigt standardisierte, zugängliche und flexibel integrierbare Daten- und Softwareumgebungen.

Nur offene, containerisierte Plattformarchitekturen bieten den technischen Rahmen, der es KI-Systemen ermöglicht, zuverlässig mit industriellen Daten, Prozessen und Anwendungen zu interagieren. Ohne standardisierte Software-Layer bleiben viele KI-Anwendungen isolierte Einzellösungen. Containerisierung wird damit auch zur Grundlage zukünftiger industrieller KI-Ökosysteme.

Die Industrie bewegt sich – aber noch langsam

Viele Industrieunternehmen beschäftigen sich bereits aktiv mit Containerisierung und Software-definierter Automatisierung. Die Nachfrage wächst deutlich. Gleichzeitig befindet sich die operative Umsetzung in vielen Unternehmen noch in einem frühen Stadium.

Das ist nicht überraschend. OT-Umgebungen entwickeln sich traditionell langsamer als klassische IT-Landschaften, da Stabilität und Verfügbarkeit im industriellen Umfeld höchste Priorität haben. Dennoch ist die Richtung klar: Die Zukunft der Automatisierung wird offener, stärker Software-definiert und stärker containerisiert sein. Containerisierung ist ein wichtiger Beschleuniger dieser Transformation. Und offene Standards werden darüber entscheiden, wie interoperabel, flexibel und innovationsfähig industrielle Systeme in Zukunft sein werden.

Die Softwareplattform zenon kann in containerisierten Umgebungen betrieben werden und unterstützt damit genau die Offenheit und Flexibilität, die Industrieunternehmen heute benötigen. Mehr dazu erfahren Sie hier (Seiten 26 bis 28). 

Ein Blogartikel von Lukas Punzenberger