Bei Josef Trapls Start-up Memo3 entwickelt das Team fortschrittliche membranbasierte Prozesstechnologien. Durch die Kombination von technischem, digitalem und wirtschaftlichem Know-how hilft Memo3 der Industrie – von der Lebensmittel- und Getränkeindustrie bis zu den Biowissenschaften –, eine effizientere und nachhaltigere Produktion zu erreichen.
In diesem Interview spricht Giuseppe Menin, Senior Director Manufacturing Industry bei Softwarehersteller COPA-DATA, mit Trapl über zukunftsweisende Themen: Trapls Vision einer modularen, softwaredefinierten Automatisierung, seine Erfahrungen mit MTP in der Praxis und warum diese Ideen die Art und Weise, wie Hersteller arbeiten, neu definieren.
Giuseppe Menin: Josef, können Sie uns bitte sagen, was Memo3 macht?
Josef Trapl: Inspiriert von den vielfältigen, hochentwickelten Membranen, die man in der Natur findet, entwickeln wir innovative membranbasierte Technologien zur Trennung und Reinigung von Flüssigkeiten und Gasen für Produktionsanwendungen, von den Biowissenschaften bis zur Getränkeherstellung. Unser Ziel ist es, diesen Industrien zu mehr Anpassungsfähigkeit, Effizienz und Nachhaltigkeit zu verhelfen. Wir unterstützen unsere Kunden von frühen Laborversuchen über Pilotdemonstrationen von Membrananwendungen bis zur Implementierung kommerzieller Anlagen im großen Stil.
Unsere Stärke liegt in revolutionärer Technologie und Automatisierung. Unsere Projekte reichen von Entalkoholisierungsanlagen für die Getränkeindustrie bis zu Automatisierungskonzepten, die auf offenen Standards wie dem Module Type Package (MTP) für die Life Sciences basieren. Was Memo3 auszeichnet, ist unsere Fähigkeit, tiefgreifendes verfahrenstechnisches Know-how mit einer unternehmerischen Denkweise zu verbinden, die es uns ermöglicht, schnell von einer Idee zu einem vollständig realisierten praktischen Ergebnis zu gelangen.
Wir haben vor kurzem gemeinsam an Ihrem Entalkoholisierungsskid gearbeitet. Was bietet dieses Modul und welche Innovationen bringt es auf den Markt?
Der Entalkoholisierungsskid ist eine kompakte Einheit, die es Brauereien und Getränkeherstellern ermöglicht, schonend und effizient Alkohol herauszufiltern und dabei den Geschmack und das Aroma ihrer Produkte zu erhalten. Seine Innovation liegt im modularen Plug-and-Product-Design, das eine nahtlose Integration in bestehende Produktionsumgebungen, eine schnelle Skalierung und eine minimale Einrichtungszeit ermöglicht.
Durch die Verwendung offener Standards wie MTP kann das System problemlos mit moderner Automatisierungssoftware verbunden werden, was es heute flexibel und für die Zukunft anpassungsfähig macht. Einfach ausgedrückt: Das System verbindet fortschrittliche Alkoholentfernungstechnologie mit intelligenten digitalen Steuerungen und bietet Getränkeherstellern eine zuverlässige Möglichkeit, ihr Angebot an alkoholfreien Getränken zu erweitern.
Sie haben bei der Entwicklung der Automatisierung dieses Moduls das Konzept der modularen Produktion verfolgt. Warum ist dieser Ansatz für Sie wichtig und welche Vorteile bringt er mit sich?
Die modulare Produktion wird für die Zukunft der Prozessindustrie immer wichtiger. Wir bewegen uns weg von starren Systemen, die sich nur schwer anpassen lassen, und entwickeln Plug-and-Produce-Module, die skaliert, kombiniert oder wiederverwendet werden können, wenn sich die Anforderungen eines Betriebs ändern.
Dies schafft echte Flexibilität und ermöglicht es Unternehmen, neue Produkte schneller auf den Markt zu bringen, schnell auf sich ändernde Markttrends zu reagieren und neue Technologien zu integrieren, ohne ihre gesamte Produktionslinie zu überholen. Durch modulare Hardware mit offenen Standards wie MTP kommen wir der Vision einer softwaredefinierten Automatisierung näher, bei der Produktionsprozesse genauso einfach konfiguriert und angepasst werden können wie Software.
MTP ist ein herstellerunabhängiger Standard, der modulare Produktion und Plug-and-Produce-Konzepte ermöglicht. Welche Erfahrungen haben Sie bisher mit MTP gemacht?
Unsere Erfahrungen sind sehr praxisnah und positiv. MTP reduziert den Engineering-Aufwand und die Inbetriebnahmezeit erheblich. Anstatt Wochen für die Integration und kundenspezifische Schnittstellen aufzuwenden, kann der Skid fast sofort an verschiedene Automatisierungssysteme angeschlossen werden. Das spart nicht nur Kosten bei der Entwicklung, sondern verkürzt auch die Test- und Optimierungszeit, so dass der Kunde schneller und kostengünstiger zu einer Lösung kommt.
Josef Trapl, Memo3
Sie sind auch Co-Vorsitzender der Arbeitsgruppe Plug & Produce innerhalb der ISPE Pharma 4.0 CoP. Welche Initiativen führt ISPE Pharma 4.0 im Bereich der modularen Produktion und MTP durch?
Unser Ziel als Arbeitsgruppe ist es, das Konzept der modularen Produktion in reale, praktische Anwendungen für die Pharmaindustrie umzusetzen. In Zusammenarbeit mit Partnern, Automatisierungsanbietern und Normungsgremien entwickeln und definieren wir Best Practices für die GMP-konforme Anwendung, demonstrieren Beispiele aus der Praxis mit modularen Skids und erstellen Schulungen und Anleitungen, um Unternehmen bei der schnellen und risikoarmen Einführung des Konzepts zu unterstützen.
Aus Sicht von ISPE Pharma 4.0 ist MTP mehr als nur ein technischer Standard. Es ist ein Weg, den Pharmaherstellern mehr Flexibilität zu geben, schnellere Produktumstellungen zu ermöglichen und die Zeit bis zur Markteinführung zu verkürzen.
Als Innovator haben Sie sich dazu entschlossen, Ihr Modul als MTP-fähige Prozessanlagenbaugruppe (PEA) zu implementieren und dabei ein Steuerungssystem zu verwenden, das auf Windows IoT läuft und HMI- und SPS-Funktionen kombiniert. Dies folgt dem Konzept der so genannten softwaredefinierten Automatisierung. Warum haben Sie sich für diesen Ansatz entschieden und wie wurde er von Ihren Kunden aufgenommen?
Wir haben die Funktionen des Human-Machine-Interfaces (HMI) und der Speicherprogrammierbaren Steuerung (SPS) in einer einzigen Plattform kombiniert, um sowohl das Engineering als auch den Betrieb zu vereinfachen. Dies folgt dem Konzept der softwaredefinierten Automatisierung, bei dem die Steuerungssoftware das Verhalten des Moduls definiert, anstatt sich auf eine feste Hardware zu verlassen.
Die Kunden haben sehr positiv darauf reagiert. Sie schätzen vor allem die verkürzte Entwicklungs- und Inbetriebnahmezeit, die Möglichkeit, Module schnell in verschiedene Linien zu integrieren, und die Flexibilität für Updates und Optimierungen während der Lebensdauer des Moduls.
Welche Module der zenon Software-Plattform haben Sie in Ihrem Projekt eingesetzt?
Für den Alkoholisierungsskid haben wir die zenon Service Engine für die Visualisierung, zenon Logic für die Steuerung und zenon Analyzer für die Leistungsüberwachung eingesetzt. Zusammen bieten uns diese Tools eine integrierte Umgebung, die den Betrieb und die Optimierung des Moduls erleichtert. Dieses Setup unterstützt auch unseren software-definierten Automatisierungsansatz und hält unser Skid flexibel und zukunftssicher.
Abschließend: Wie sehen Sie die Zusammenarbeit mit COPA-DATA?
Unsere Zusammenarbeit ist ausgezeichnet. Die Softwareplattform zenon und der maßgeschneiderte COPA-DATA Support haben es uns ermöglicht, flexible, MTP-fähige Module schnell zu implementieren. Die praxisnahe Anleitung hat es uns erleichtert, softwaredefinierte Automatisierungskonzepte in die Praxis umzusetzen.
Vielen Dank für das Gespräch, Josef.
Josef Trapls Weg zeigt, wie tiefgreifendes Ingenieurwissen, Standards wie MTP und moderne Softwareplattformen die modulare Produktion Realität werden zu lassen. Seine Arbeit bei Memo3 und aktive Rolle bei ISPE Pharma 4.0 zeigen, wie die branchenübergreifende Zusammenarbeit der Prozessindustrie zu Flexibilität, Geschwindigkeit und Innovation verhilft.
Lesen Sie auch unseren englischen Originaltext Modular production in practice: Memo3’s vision for the future